In Hamburg prüft das Thünen-Institut Holzgegenstände auf die Richtigkeit ihrer Herkunft und deckt mit zunehmendem Erfolg illegalen Holzhandel auf.

Hauchdünne Holzschichten werden unter dem Mikroskop auf ihre Struktur untersucht. Foto: Thünen-Institut

Seit rund fünf Jahren ist das Kompetenzzentrum Holzherkünfte Teil des Thünen-Instituts in Hamburg-Bergedorf. Gegründet wurde es mit Inkrafttreten der europäischen Holzhandelsverordnung (EUTR), denn seit dem sind sowohl Holzverarbeiter_innen sowie -händler_innen in der Pflicht, die Art und Herkunft des Holzes lückenlos nachzuweisen. Die Verordnung verbietet zudem den Import und Handel mit illegal geschlagenem Holz oder Produkten daraus und verpflichtet einführende sowie verarbeitende Unternehmen zur Sorgfaltspflicht. Mithilfe des 15-köpfigen Teams des Kompetenzzentrums in Hamburg wurde bereits einiges aus dem Verkehr gezogen. Den hier werden die Deklarationen international gehandelter Hölzer und Holzprodukte überprüft.


Mehr illegale Quellen

Von Gartenmöbel bis Skateboards wird hier alles unter die Lupe genommen. Auftraggeber_innen sind  Zoll- und Umweltbehörden sowie das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung, das für die Kontrolle von Unternehmen zuständig ist, die Holz oder Holzprodukte in Deutschland einführen.Vier Fünftel der Prüfungen aber werden freiwillig in Auftrag gegeben, vor allem von Holz- und Möbelhändler_innen, Discountern, Baumarktketten aber auch von Privatpersonen oder Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen. Viele Anfragen kommen aus anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Österreich, den Beneluxstaaten oder der Schweiz. Im Jahr 2018 erstellte das Zentrum 1.400 Gutachten auf der Grundlage von etwa 24.000 Einzelproben. Die Prüfaufträge wachsen jedes Jahr stark – genauso wie die Menge des verbrauchten Holzes, die sich innerhalb der letzten 50 Jahre verdoppelt hat, und mit ihr der illegale Holzeinschlag. Bis zu 17 % der globalen Holzernte stammt nach einer Studie des Thünen-Instituts aus illegalen Quellen.


Struktur gibt Aufschluss

Im Kompetenzzentrum werden die Holzproben so aufbereitet, dass die Strukturen im Mikroskop klar ersichtlich sind. Mithilfe der etwa 50.000 mikroskopischen Dauerpräparate des Institutes sowie einer digitalisierten Datenbank können in kurzer Zeit die wichtigsten der 100 definierten anatomischen Strukturmerkmale abgerufen und verglichen werden. Bei der Recherche helfen in komplizierteren Fällen zudem internationale Datenbanken oder die Xylotek des Hauses, eine der größten Holzprobensammlungen der Welt. Hier lagern um die 35.000 Muster von 12.000 Holzarten. Ein Erfolg, der Schlagzeilen machte, gelang dem Team in den letzten beiden Jahren: Es konnte nachweisen, dass in Grillkohle, die als „heimisches Laubholz“ ausgezeichnet war, Tropenholz steckte. Betroffen war ein Drittel der untersuchten Produkte, die der WWF sowie Schweizer und österreichische Verbraucherschutzorganisationen zur Untersuchung in Auftrag gegeben hatten.  Ziel des Kompetenzzentrum ist es, die Einfuhr von illegal geschlagenem Holz zu verhindern. Dazu muss es allerdings zu einer lückenlosen und flächendeckenden Kontrolle kommen, welche angesichts der komplexen globalen Handelswege sowie der großen Mengen derzeit noch nicht möglich ist. (sis)

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